Simone73's Webseite

                  ***Reden***

 

Reden ist für mich das wohl schwerste nach dem Missbrauch. Ich habe ewig über die Ausmaße meines Missbrauchs geschwiegen. Eine Zeit, in der keiner ausser mir und meinen Tätern wusste was alles passiert war. Ich habe wohl einigen Leuten erzählt das da ein Missbrauch stattgefunden hat aber ich habe nie gesagt in welchem Ausmaß. Zu gross war die Angst, zu oft hat mir mein Vater und die anderen mir gezeigt was passieren würde wenn ich es erzähle. Also überlebte ich ohne das irgend jemand etwas davon erfuhr.

Aber irgendwann ging dieses Schweigen nicht mehr. Irgendwann kam der Punkt da ekelte ich mich immer mehr vor meinem Erzeuger, vermied es zu oft dort hin zu gehen und es kam der Tag an dem ich das erste mal schrieb was passiert ist. Schreiben war und ist für mich eine Form wie ich es rauslassen kann. Ich merke wohl das es mir nicht reicht. Ich spüre den Drang zu reden. Aber immer wenn ich anfangen will krampft sich noch heute alles in mir zusammen. Und dieser Kloß im Hals der es mir unmöglich macht zu reden ist wieder da. Alles schnürrt sich zu und ich bekomme keine Luft mehr. Das ist völlig verrückt.

Es tut weh sich zu erinnern, aber ich möchte diesen Schmerz nicht mehr alleine tragen. Er zerreißt mich sonst ! Immer öfter spüre ich das es mir weh tut und ich es nur noch rauslassen will. Ich will nicht mehr schweigen.

Ich kann jeder Betroffenen und jedem Betroffenen nur raten anzufangen sein schweigen zu brechen. Auch wenn manwährend dessen oder direkt danach denkt es ist alles nur noch schlimmer, so merkt man nach einer kurzen Zeit des sackens doch, es ist gut es rauszulassen. Es ist wichtig, denn sonst frisst es uns von innen auf. Und das würde vielleicht irgendwann dazu führen das wir aufgeben. Und aufgeben dürfen wir nicht. Wir müssen ihnen zeigen das wir stark sind, das sie uns nicht mehr in der Hand haben. Diese Zeilen schreibe ich gerade so einfach vor mich in und doch fällt es mir zur Zeit noch so schwer über das zu REDEN was passiert ist. Aber es wird der Tag kommen an dem ich sagen kann das ist passiert. Ich will es sagen können nicht nur schreiben. Und dann so hoffe ich scheint für mich auch wieder durchgehend die Sonne. Das ist mein Ziel. REDEN und mich vom Missbrauch nicht mehr einholen zulassen. Es wird sicher immer wieder dunkle Löcher geben, aber ich hoffe sie tun dann nicht mehr so weh wenn ich darüber reden kann.  

Als ich anfing diese Seite zu schreiben, habe ich hauptsächlich geschrieben, ganz oberflächlich konnte ich mal darüber sprechen das ich missbraucht worden bin, aber Einzelheiten waren für mich ein Tabu, sicher war es ein Ziel von mir diese laut rauszuschreien , rauszuweinen oder einfach nur mich anderen mitzuteilen, aber es war halt nur ein Ziel. Diesem Ziel bin ich näher gekommen, ich habe den Anfang geschafft ! Bei Marion habe ich letzte Woche vier Stunden gesessen und geredet. Ich danke Ihr für Ihre Geduld. Ich habe es geschafft über einzelne Sachen die mir passiert sind zu reden. Ich habe es geschafft jemand anderen gegenüber zu sitzen und zu reden. Klar ich habe nicht geredet wie ein Wasserfall und ich habe wahrscheinlich mehr geweint als geredet, weil das auszusprechen ist als wenn man es noch einmal durchmachen würde, aber ich habe einen Anfang gefunden. Und damit ist mein Ziel greifbarer geworden. Ich werde weiter machen. Manchmal denke ich es ist pervers wenn ich das Bedürfnis habe mich anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe ich will das nicht mehr alles alleine tragen. Und vielleicht kann ich irgendwann über das was mir passiert ist mein Buch fertig schreiben und mein Buch in der Öffentlichkeit vorstellen und sagen " Schaut her, guckt hin, es passiert überall" . Das wär schon Klasse !

 


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